Nutzungsrechte? Was ist das denn bitte?

Es kommt immer wieder vor das Kunden erstaunt sind das nicht nur die kreative Arbeit - also z.b. die Zeit für das Entwickeln/Zeichnen eines Logos berechnet wird, sondern auch noch Nutzungsrechte hinzukommen.

Mit diesem kleinen Blogbeitrag möche ich gerne auf die Gesetze und die allgemein übliche Praxis von Grafikern, Freelancern oder Agenturen eingehen.

Quellen-Hinweis:

Dieser Text beruht auf dem Originaltext einer befreundeten "erstklassigen" Grafikerin/Illustratorin Dominiqe Pelz, Minique-Design (ein Blick auf Ihre Seite lohnt sich!)

 


Nutzungsrechte - Was ist das denn bitte?


Nach dem Urheberrechtsgesetz (UrhG) § 31 hat bei jedem kreativen Werk allein der Urheber das Recht, sein Werk zu verbreiten und zu vervielfältigen.

  • Das Urheberrecht ist juristisch nicht übertragbar.

Möchte ein Auftraggeber das Werk eines Urhebers dennoch verwenden, so kauft er sich die Nutzungsrechte. So entsteht ein Lizenzvertrag zwischen beiden Parteien.

Dabei ist zu beachten: Mit der Bezahlung des Schaffens - bei dem lediglich die gekaufte Arbeitszeit vergütet wird - ist nicht automatisch das Recht der Verwendung erworben!

So muss das Nutzungsrecht zum Entwurfspreis zusätzlich erworben werden. Es besteht auch die Möglichkeit, das Nutzungsrecht von bereits bestehenden Werken zu erwerben. Der Entstehungsprozess muss dabei nicht vergütet werden.


Wozu gibt es denn Nutzungsrechte?


Es besteht ein Unterschied zwischen einem einmalig gekauften Produkt und einem Werk, welches zur Vervielfältigung gedacht ist.

Beispiel:

Ich kaufe einen Tisch bei einem Tischler nur einmal. Will ich mehrere Tische erwerben, so entsteht immer ein erneuter Auftrag zum Kauf des Produktes.

Bei einem kreativen Werk (z.B. einer Illustration, Logogestaltung, Design etc.) sieht das anders aus. Dieses kann beliebig oft reproduziert und kopiert werden und im häufigsten Fall will der Auftraggeber mit dieser Reproduktion Geld verdienen. Aus diesem Grund hat das Gesetz die Einräumung von Nutzungsrechten (Recht auf Vervielfältigung) vorgesehen. Das ist auch zum Vorteil des Auftraggebers, da der Anspruch der Nutzung geregelt ist und beiden Parteien Rechtssicherheit gewährt.


Welche Nutzungsarten gibt es eigentlich?


Generell gibt es zwei Nutzungsarten, die als exklusive (ausschließliche) und einfache Nutzung definiert sind.

Die exklusive Nutzung beschreibt die alleinige Nutzung des Werkes für den Auftraggeber, wogegen die einfache Nutzung beliebig oft vom Urheber an Dritte verkauft werden kann.

Das Nutzungsrecht ist zumeist beschränkt auf:

  1. räumlicher Nutzung:
    international, weltweit, europaweit oder nur regional

  2. zeitlicher Nutzung:
    Dies kann von 1 Jahr, 5 Jahre, 10 Jahre bis zeitlich unbegrenzt vereinbart werden.

  3. inhaltlicher Nutzung:
    Beschreibt, für wie viele Medien das Werk genutzt wird. So definiert sich das Ausmaß der Vervielfältigung.


Wie werden die Nutzungsrechte dann berechnet?


Jedes Werk hat einen kalkulierten Entwurfspreis. Wie hoch dieser Preis ausfällt, ergibt sich aus folgenden Kriterien:

  • aufgewendete Zeit, Komplexität von Stil und Inhalt,
  • Anzahl der vereinbarten Korrekturstufen.

Auf Basis des Entwurfspreises wird der Preis zu Nutzung mittels eines Faktorensystems errechnet.
Dabei steigt mit größerem Nutzungsumfang auch der Faktor.

Die meisten Kreativen richten sich dabei an die Faktorenliste der AGD.


Wie genau rechnet 8UNGMEDIA?


Generell unterscheide ich zwischen Existen zgründern, Kleinunternehmern und schon länger am Markt existierende Unternehmen. Dazu beachte ich auch was die Zukunft des Unternehmens sein soll. Eine vorerst falsche Lizenzierung kann somit vermieden werden.

Faktoren Übersicht

räumlich lokal regional national europaweit weltweit
Grafikdesign, Konzeption, Webdesign, Layout 0,1 0,2 0,5 1,0 2,0
+plus
zeitlich 3 Monate 1 Jahr  5 Jahre  10 Jahre unbegrenzt
   0,1 0,2  0,3 0,7 2,0
+plus
 inhaltlich Grafikdesign, Konzeption, Webdesign, Layout
Einfache Nutzung 0,1 - 1,5
Ausschließliche Nutzung
... ohne Weitergabe von
Nutzungsrechte an Dritte
0,7 - 1,8
... mit Weitergabe von
Nutzungsrechte an Dritte
1,1 - 2,0
... und Branchenexklusivität
für 5 Jahre
5,0

 

Was meine ich damit genau bzw. wie berechnet sich das in der Praxis?

Beispiel anhand eines lokalen Bäckers:

Gegenstand der Arbeit - "Gestaltung eines Logos" | Aufwand 10 Std.

Der kleine lokale Bäcker (mit einer Filiale) wird zumeist nur lokal oder bei zusätzlichen Fillialen regional arbeiten, d.h. die Verbreitung seines Logos wird z.b. räumlich sehr eingeschränkt sein. Der Bäcker hätte nun noch die Möglichkeit die Nutzung zeitlich einzuschränken - erstmal für 5 Jahre (er ist noch nicht sicher ob sein Betrieb erfolgreich ist oder er sich sogar vergrößert/expandiert). Da der Bäcker z.b. Papiertüten herstellen lassen möchte oder auch mal eine Anzeige in einer lokalen Zeitung schalten möchte benötigt er das Recht zur Weitergabe von Nutzungsrechte an Dritte.

Ermittlung des Endpreises für den Kunden inkl. Nutzungsrechte:

10 Std à 89,00 Euro = 890 Euro
+ räumliche Nutzungsrechte regional = 0,2 x 890 Euro = 172 Euro
+ zeitliche Nutzungsrechte 5 Jahre = 0,3 x 890 Euro = 267 Euro
+ inhaltliche Recht mit Weitergabe von Nutzungsrechte an Dritte = 1,5 x 890 Euro = 979 Euro

Gesamt Kosten: 2.308 Euro zzgl. MwSt.

Hinweis: Ausnahmen bestätigen die Regel! Ich biete auch immer wieder komplette Pakete sowie auch spezielle Preise für Existenzgründer an.

 


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